COVID-19 dürfte die Veräußerung von Randbereichen bei europäischen Konzernen im Jahr 2021 beschleunigen

22.02.2021

COVID-19 dürfte die Veräußerung von Randbereichen bei europäischen Konzernen im Jahr 2021 beschleunigen

London, 22. Februar 2021 – Die COVID-19-Pandemie wird die Pläne von britischen und europäischen Unternehmen zur Veräußerung ihrer nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereiche (Non-Core Businesses) beschleunigen und zu einer Verstärkung der Ausgliederungsaktivitäten auf dem europäischen Kontinent im Jahr 2021 führen. 

Dies hat die AURELIUS Equity Opportunities European Corporate Carve-Out Survey ergeben. In der sechsten von AURELIUS durchgeführten jährlichen Umfrage haben zwar 61% der Befragten angegeben, dass sie die zunehmende Komplexität bei der Asset-Bewertung als das größte Hindernis für die Transaktionstätigkeit einstufen (38% in 2020), aber 89% rechnen im Jahr 2021 dennoch mit einem Anstieg der Carve-out-Aktivitäten (gegenüber nur 60% in 2020). 

Diese Ergebnisse korrelieren mit der anhaltenden Unsicherheit, den makroökonomischen Bedingungen und der zunehmenden Firmenverschuldung. Due-Diligence-Prüfungen und Unternehmensbewertungen werden dadurch erschwert. Dies steht im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen zunächst der Meistbietende1 und dann die Fähigkeit zur Umsetzung2 die Carve-out-Aktivitäten der Unternehmen antrieben, bevor die Coronakrise eine beispiellose Volatilität auslöste. 

Im Rahmen des AURELIUS European Corporate Carve-Out Survey werden jedes Jahr Unternehmens- und Beratungsexperten befragt, um die Markttrends im Vergleich zum Vorjahr sowie Prognosen für die Zukunft zu ermitteln. Die diesjährige Umfrage wurde zwischen dem 12. Januar und dem 5. Februar 2021 durchgeführt. 

Die wichtigsten Ergebnisse:

Die COVID-19-Pandemie wird die Pläne von britischen und europäischen Konzernen zur Veräußerung ihrer nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereiche im Jahr 2021 beschleunigen. 

  • 85% der Befragten gehen davon aus, dass die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie die Pläne der Unternehmen zur Veräußerung ihrer nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereiche beschleunigen werden
  • 85% der Befragten sind außerdem der Ansicht, dass durch die COVID-19-Pandemie das Gesamtvolumen der zum Verkauf stehenden Randbereiche von europäischen und britischen Unternehmen im Jahr 2021 steigen wird. 

Die überwiegende Mehrheit der Experten erwartet ein extrem dynamisches Jahr mit Carve-out-Aktivitäten und Veräußerungsprozessen von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen, angestoßen von globalen Konzernen.

  • 89% der Befragten erwarten, dass die Zahl der britischen und europäischen Unternehmen mit Veräußerungsabsichten von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen im Jahr 2021 gegenüber 2020 zunehmen wird (+29% im Vergleich zum Vorjahr).3
  • 66% der Befragten erwarten, dass die Zahl der außereuropäischen Unternehmen mit Veräußerungsabsichten von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen im Jahr 2021 gegenüber 2020 zunehmen wird (+30% im Vergleich zum Vorjahr).4

Die zunehmende Komplexität bei der Unternehmensbewertung wird als das größte Hindernis für Carve-out-Transaktionen genannt, wodurch die Fähigkeit eines Käufers zur Umsetzung noch mehr an Bedeutung gewinnt.

  • 61% der Befragten stufen die Komplexität bei der Asset-Bewertung als das größte Hindernis für den erfolgreichen Abschluss von Veräußerungen ein (gegenüber nur 38% in 2020).
  • 84% glauben dass aus Sicht der Verkäufer die Fähigkeit zur Umsetzung der Übernahme eines Randbereichs erneut der wichtigste Faktor bei der Auswahl eines Käufers sein wird.

Matthias Täubl, AURELIUS-CEO: „Die gemeinsamen Erkenntnisse unseres Investment- und Beraternetzwerks bestätigen, dass wir vor einem Wendepunkt hinsichtlich der Veräußerungsaktivitäten von Unternehmen stehen. COVID-19 sorgt trotz des Impfbeginns weiterhin für Unsicherheit, was wahrscheinlich zu einer Zunahme und Beschleunigung der Transaktionstätigkeit führen wird, da die Unternehmen versuchen, ihre Bilanzen zu stärken und ihre operativen Abläufe zu vereinfachen. Die Marktlandschaft ist für Investoren, die auf Sondersituationen warten, bestens vorbereitet, und es gibt in ganz Europa gute Möglichkeiten für Carve-outs und Turnarounds.“

Tristan Nagler, Managing Director AURELIUS UK: „Diese Ergebnisse haben klare Trends bei Unternehmensveräußerungen aufgezeigt, wobei der pandemiebedingte Umbruch die Aktivitäten im Jahr 2021 verstärken wird. Die Umfrage bestätigt vieles von dem, was wir bei AURELIUS schon lange beobachten, da europäische und globale Unternehmen nach einem Jahr staatlicher Unterstützung ihre Portfolios verschlanken und neu aufstellen wollen. Als erfahrener Investor in Sondersituationen mit einer starken Erfolgsbilanz bei komplexen Carve-outs bewerten wir diesen Moment eindeutig als Chance.“

Zusammenfassung des vollständigen Berichts:

  • Die COVID-19-Pandemie hat die Paradigmen und wesentlichen Notwendigkeiten europäischer und britischer Unternehmen hinsichtlich der Veräußerung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen im Jahr 2021 verschoben. 
    Geordnet nach Prioritäten verwies die überwiegende Mehrheit der Befragten auf die Notwendigkeit, sich wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren (92%), gefolgt vom Liquiditätsbedarf aufgrund der Pandemie (69%) und der Reduzierung der Schuldenlast (38%). 
  • Die Rekordverschuldung der Unternehmen wird im Jahr 2021 eine Welle von Veräußerungen von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen auslösen, zum Teil getrieben durch die Auswirkungen von COVID-19. 
    76% der Befragten stimmten der Aussage grundsätzlich oder nachdrücklich zu, dass „die Rekordverschuldung britischer und europäischer Unternehmen, die zum Teil durch die Covid-19-Pandemie getrieben wird, britische und europäische Unternehmen dazu bringen wird, sich im Jahr 2021 von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen zu trennen“.
    68% der Befragten stimmten außerdem der Aussage grundsätzlich oder nachdrücklich zu, dass „es zu einer verstärkten Veräußerung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen durch britische und europäische Unternehmen kommen wird, die ihren Firmensitz in den Ländern haben, die von der Covid-19-Pandemie wirtschaftlich am stärksten betroffen sind“.
  • Im dritten Jahr in Folge gehen die Befragten davon aus, dass die beiden Branchen mit den meisten Veräußerungen von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten im Jahr 2021 die Industrie und der Einzelhandel sein werden. 
    Von den beiden oben genannten Branchen identifizierten mehr als drei Viertel der Befragten die Industrie und nur die Hälfte den Einzelhandel als die Sektoren, die wahrscheinlich die meisten Ausgliederungen erleben werden. 
    Andere Branchen, die in der Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit nach den ersten beiden genannt wurden, waren: Konsumgüter, Unternehmensdienstleistungen, Nahrungsmittel und Getränke, Energie, TMT, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Pharma und Biowissenschaften sowie Sonstige.
  • Die Teilnehmer des AURELIUS-Survey erwarten eindeutig, dass im Jahr 2021 die meisten Unternehmensverkäufe von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten am britischen Markt getätigt werden und dass das Brexit-Handelsabkommen hierfür ein wichtiger Treiber sein wird. 
    72% der Befragten stimmten der Aussage grundsätzlich oder nachdrücklich zu, dass „trotz des Brexit-Handelsabkommens grenzüberschreitende M&A-Transaktionen aufgrund der Divergenzen zwischen Großbritannien und der EU komplexer und schwieriger auszuführen sein werden“. 
  • Auf Umbruch- und Sondersituationen fokussierte Investoren werden die aktivsten Käufer von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen sein, wobei ihnen ihre Fähigkeit zur Umsetzung zugutekommen wird. 
    57% der Befragten nannten auf Umbruch- und Sondersituationen fokussierte Investoren, hingegen nur 26% die traditionellen Finanzsponsoren.5
    Dies könnte der Grund dafür sein, dass 84% der Befragten erwarten, dass aus Sicht der Verkäufer die Fähigkeit zur Umsetzung bei der Auswahl eines Käufers entscheidend sein dürfte.
  • Das Ende der staatlichen Coronahilfen wird zur Veräußerung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randbereichen führen. 
    60% der Befragten stimmten der Aussage grundsätzlich oder nachdrücklich zu, dass das Auslaufen der staatlichen Coronahilfen den Trend zur Veräußerung von Randbereichen durch britische und europäische Unternehmen verstärken wird. 
  • Aktionärsaktivismus ist nach wie vor ein wichtiger Treiber für die Carve-out-Aktivitäten von Unternehmen in Europa. 
    56% der Befragten stimmten der Aussage grundsätzlich oder nachdrücklich zu, dass Aktionärsaktivismus ein wichtiger Treiber für die Veräußerungsabsichten der Unternehmen bleiben wird (49% im Jahr 2020). 

 


1 Im Jahr 2019 erwarteten 14% der Befragten, dass aus Sicht der Verkäufer das höchste Gebot der wichtigste Faktor bei der Auswahl eines Käufers für nicht zum Kerngeschäft gehörende Unternehmensteile sein würde.
2 Im Jahr 2020 erwarteten 47%, dass aus Sicht der Verkäufer die Fähigkeit zur Umsetzung der Übernahme eines Randbereichs der wichtigste Faktor bei der Auswahl eines Käufers sein würde.
3 Vor Beginn der COVID-19-Pandemie rechneten nur 60% mit einem Anstieg der entsprechenden Veräußerungsabsichten bei europäischen Unternehmen im Jahr 2020 gegenüber 2019.
4 Nur 36% rechneten mit einem Anstieg der entsprechenden Veräußerungsabsichten bei außereuropäischen Unternehmen im Jahr 2020 gegenüber 2019.
5 Im Jahr 2020 gaben 42% an, dass traditionelle Finanzsponsoren die aktivsten Käufer von Randbereichen europäischer Unternehmen sein werden, während nur 34% Investoren mit einer Spezialisierung auf Umbruch- und Sondersituationen nannten.